Rückspiel: L.A. Noire DLCs

In einer ruhigen Stunde hatte ich mir vergangene Woche mal die DLCs von L.A. Noire angeschaut. Nach einem gewissem zeitlichem Abstand vom Hauptspiel war die Lust mal wieder da, etwas durch Los Angeles der späten 40er Jahre zu streifen. Bei aller damaliger, anfänglicher Euphorie ermüdete mich das immer gleiche Prinzip der Fälle doch sehr. Die Story plätscherte auch noch zu lange nur so vor sich hin und wurde erst im letzten Drittel wirklich wieder interessant. Als ich das ganze dann aber episodenhaft spielte (ein Fall pro Abend), ging das halbwegs wieder in Ordnung. Ich will hier jetzt aber kein neues Fass über die repetiven Spielmöglichkeiten aufmachen.

Vorweg sei gesagt, dass alle DLCs an dem Grundprinzip von L.A. Noire rein gar nichts ändern. Man fährt mit seinen, aus dem Hauptspiel bekannten Partnern zum Tatort, spricht mit dem Gerichtsmediziner, sucht nach Hinweisen (und findet – Insider!- in der Regel ein Streichholzpäckchen aus einer Bar, dass irgendjemand am Tatort liegen gelassen hat), führt erste Befragungen durch und wird so zu den nächsten Orten und Personen geleitet, die dann wiederum verfolgt, beschossen, untersucht oder befragt werden wollen. Bei den Befragungen ist es mir persönlich manchmal schwer gefallen, Phelps seine Verhörfragen zu deuten und diese mit den Antworten der Beteiligten in Beziehung zu bringen. So habe ich schon einfach mal raten müssen, wohin diese Frage führen soll. Gerade wenn es darum ging, jemanden der Lüge zu überführen, galt wohl eher das schwammige Motto: Eine starke Behauptung ist besser, als ein schlechter Beweis. Da ich nur die deutsche Fassung gespielt habe, kann ich nicht beurteilen, ob dies eine Spiel-, Übersetzungsschwäche ist oder vielleicht auch nur persönliches Unverständnis.

Alle nachgereichten Fälle stehen für sich alleine und bringen weder neue Aspekte in die Handlung aus dem Hauptspiel, noch bekommt man tiefere Charaktereinblicke von Cole Phelps oder seinen Partner mit. Auch neue Straßenverbrechen gibt es in den Erweiterungen nicht. Sehr schade (gilt für den ganzen Absatz)!

DLC Falsche Papiere
“Falsche Papiere”
wirft Cole Phelps zurück in das Verkehrsdezernat mit seinem alten Partner Stefan Bekowsky. Es geht um einen Ring von Fälschern und Autoschiebern, die im großen Stil gestohlene Autos verkaufen. Den Fall hatte ich in knapp 45 Minuten durchgespielt. Insgesamt präsentiert er sich sehr Dialoglastig mit einigen Verstrickungen. Ein klassischer Standardfall, der sich aus dem großen ganzen L.A. Noire Repertoire nicht besonders hervortut.

DLC Kifferwahnsinn
Dagegen spielte sich der nächste Fall “Kifferwahnsinn” aus dem Sittendezernat ziemlich gegensätzlich. Hier geht man einem Tipp eines Spitzels nach, der von einer Gang berichtet, die regelmäßig große Mengen Marihuana verkauft und sich einen recht kreativen Vertriebsweg dazu ausgewählt haben. Anders als in “Falsche Papiere” spricht man hier öfter aus seiner .45er, als mit seinem Mund. Es gibt mehrere größere Schießereien, in denen wieder mal keine Gefangenen gemacht werden. Auch hier dauerte es keine Stunde, bis der Fall gelöst war und der letzte Gangster sein Leben verloren hatte.

DLC Die nackte Stadt
Ein Model stirbt an einer Überdosis Morphium; ein weiterer Fall für Cole Phelps von der Sitte. “Die nackte Stadt” war mit irgendwas unter 90 Minuten Spielzeit mein längster L.A. Noire DLC-Einsatz. Allerdings wirkten manche Befragungen auch zu sehr deutlich als Füllwatte und eine extrem lange Autofahrt, die keine Verfolgungsjagd oder Beschattung ist, kann nicht übersprungen werden, sondern muss selbst gefahren werden. Überhaupt hatte ich das Gefühl mehr Orte als sonst abgrasen zu müssen.

DLC Nicholson Galvanisierung
Und zum Schluss wühlt man sich im letzte DLC “Nicholson Galvanisierung” als Cop der Brandermittlung mit seinem Partner Herschel Biggs durch einen Berg von Trümmern nach einer mächtigen Fabrikexplosion. Natürlich handelt es sich dabei nicht nur um einen tragischen Fabrikunfall. Aus meiner Sicht der interessanteste und spannendste Fall aller DLCs. Der Beginn baut mit seiner schönen Inszinierung sofort Spannung auf und durch den historischen Bezug einer mögliche Verstrickung des – damals lebenden – exzentrischen Unternehmers Howard Hughes und seinen wahnwitzigen Projekte, wie die Spruce Goose, wird ein noch stärkeres Mittendrin-Gefühl der 40er Jahre von Amerika vermittelt. Auch wenn das abschließende Feuergefecht in der Art sicherlich in Frage zu stellen ist, so ist “Nicholson Galvanisierung” einer meiner Favoriten aller L.A. Noire Fälle.

Mehr vom Gleichen. Das dürfte das Fazit aller L.A. Noire DLCs sein. Wer dem Spiel grundsätzlich etwas abgewinnen konnte, wird auch mit den neuen Fällen gut unterhalten. Die grafische Qualität und der Inhalt ist durch die Bank gut. Es ist aber auch anzunehmen, dass die Fälle nicht extra nachproduziert worden, sondern bereits schon mit Erscheinen des Hauptspiels fertig waren. Wobei, wären diese im Spiel gewesen, hätten sie es noch mehr in die Länge gezogen. Wie eingangs erwähnt, erweitern die DLCs die Charaktere auch nicht weiter. Der Protagonist Cole Phelps ist immer noch der verkniffen, steife Unsympath, der im Schatten seiner Partner steht, die alle interessanter rüberkommen, als Mr. Streber. Auch ist es nach wie vor merkwürdig, dass Rockstar ein offenes und detailverliebtes Los Angeles 1947 geschaffen hat, es aber überhaupt keinen Anreiz gibt oder etwa Spaß machen würde, dieses als Spieler zu erfahren. Ob die DLC-Preise den Spielzeiten angemessen sind, muss jeder selbst für sich entscheiden.

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