Als neulich im App-Store für mich überraschend Elder Signs: Omens veröffentlicht wurde, musste ich – als Arkham-Horror-Fan – zuschlagen. Bei Arkham Horror handelt es sich um ein recht komplexes und mit einem hohen Schwierigkeitsgrad gesegnetes kooperatives Brettspiel (ja, noch so richtig ohne Controller oder Tastatur, aber gemeinsam gegen das Brett), welches in dem von H. P. Lovecraft erschaffenden Cthulhu-Mythos-Reihe spielt. Große Alte, Das Necronomicon, Andere Dimensionen, usw., ihr wisst schon. Elder Signs: Omens basiert wiederum auf den Regeln des Karten-/Würfelspiel-Mix Elder Sign, welches sich aus dem gleichen Universum bedient und im September 2011 erschienen ist. Das Kartenspiel selbst kenne ich nicht, letztlich ließ mich der Name Arkham Horror in Verbindung mit der iOS-Plattform zuschlagen.
Wie in der Brettspielvorlage bzw. der Kartenvorlage auch, geht es darum, sich mit einer Handvoll Ermittlern einem Großen Alten (in Omens ist es Azathoth) zu stellen und ihn daran zu hindern, dass er aus seinem Schlummer erwacht und Tod und Zerstörung über die Welt bringt. Das Ganze wird, wie bei einer Kartenspiel üblich, rundenbasiert gespielt. Der Spieler versucht mit seinen Ermittlern nicht zu sterben bzw. wahnsinnig zu werden und gewinnt das Spiel, wenn er es schafft, eine ausreichende Anzahl Älterer Zeichen zu sammeln. Der Große Alte erwacht, wenn seine Verderbenleiste voll oder alle Ermittler tot oder wahnsinnig sind. Dafür wirft er Runde um Runde per Zufallsgenerator Orte und Monster auf den Spielplan, die es zu erledigen gilt. Jedes Monster und/oder Ort verfügt über bestimmte Symbole, die Ermittler aufbringen müssen , um sie zu erledigen; die berühmten Hinweismarker zum Beispiel. Mit jeder Begegnung und Runde stehen einem Ermittler sechs Glyphen-Plätze zur Verfügung, in denen per Zufall die Symbole erscheinen (stellt das Würfeln dar). Durch Verbrauchen von Ausrüstungsgegenständen kann man sich die Anzahl der Glyphen-Plätze um jeweils einen gelben und/oder roten Platz erweitern. Auch gibt es die Möglichkeit sich ein Symbol zurückzulegen oder sogar an einen anderen Ermittler zu übertragen, der auf dem gleichen Ort steht. Um die Symbole neu durchwürfeln zu dürfen, muss man eine Glyhe opfern, die man in dieser Herausforderung dann nicht mehr zur Verfügung hat. Schafft der Ermittler die Herausforderung des Ortes in seiner Runde nicht, muss er die Strafe für den Ort bezahlen (z.B. Ausdauer verlieren, Verderbenmarker kassieren, etc.) und kann sich nächste Runde erneut versuchen oder zu einem beliebigen anderen Ort reisen. Bei Erfolg bekommt man die zufällige Belohnung des Ortes. Das können z.B. weitere Gegenstände, Trophäen oder auch Ältere Zeichen sein. Für das Töten der Monster gibt es zusätzlich noch weitere Trophäen. Diese kann man wiederum dafür ausgeben, dass man seine Ermittler heilt oder man kauft sich zusätzliche Gegenstände. Der erledigte Ort verschwindet dann, es erscheint – wieder per Zufall – ein neuer Ort auf dem Plan und der nächste Ermittler ist am Zug.
Zufall ist das Zauberwort von Elder Signs: Omens. Dies sorgt einerseits für einen recht hohen Wiederspielwert, da durch die vielen verschiedenen Orte, Monster, Belohnungen und deren willkürlichem Erscheinen kein Spiel dem anderen gleicht. Andererseits aber auch stellt das Zufallsprinzip eine gewisse Schwäche des Spielprinzips dar. Man kann noch so schön taktisch an die Herausforderung heran gehen, Vor- und Nachteile gegeneinander aufwiegen, wenn einem die virtuellen Würfel für die Symbole nicht wohlgesonnen sind, geht man schneller unter als man Necronomicon sagen kann. Dann kann man nur hilflos dabei zusehen, wie man Strafe um Strafe kassiert. Übersteht man allerdings die ersten Spielrunden und schafft es, sich eine gesunde Basis an Gegenständen zusammenzustellen und akzeptiert den Glücksfaktor, dann wird sich Elder Signs: Omens zu einer sehr spannenden Partie entwickeln. Aber Arkham Horror Spieler kennen das gleiche Problem auch von dem Brettspiel. Wir sind hier ja nicht bei Fang-den-Hut! Man sollte sich nicht scheuen, seine einmaligen Gegenstände einzusetzen. Bunkern führt fast direkt auf die Verliererstraße.
Der Wiedererkennungswert für Arkham Horror Spieler ist bei Omens enorm. Sei es bei den Ermittlern, den Gegenständen oder den Anderen Welten. Die zahlreichen liebevollen Artworks orientieren sich vom Grafikstil direkt an dem Brett- bzw. Kartenspiel. Ein Michael McGlen oder ein Harvey Walters sehen haargenau so aus, wie man sie kennt. Selbst die Fähigkeiten der Ermittler weisen einige Ähnlichkeiten zu den Fähigkeiten aus den anderen Spielen aus. Ein Dexter Drake bekommt zum Beispiel auch in Omens einen zusätzlichen Zauberspruch, während eine Amanda Sharpe zwar nicht einmal komplett neu würfeln (Arkham Horror), dafür aber eine mögliche Reihenfolge bei den Herausforderungen eines Ortes ignorieren darf (Omens). Ein Cthonier sieht aus, wie ein Cthonier. Und der Stein der Heilung ist auch in Omens ein mächtiger Gegenstand. Toll!
Arkham Horror Fans kommen trotz der bekannten Arkham-Mängel nicht um Elder Sign: Omens herum. Aber für 2,99 Euro kann man auch nicht viel falsch machen.
Elder Sign: Omens gibt es für iPhone und für iPad in der HD-Version, sowie für Mac OS und Android.