Eine Chance für den Einzelspieler

Den Anfang wagte wohl dieses Jahr im Juni Blizzard. Sie waren – gefühlt vom Aufschrei der ganzen Videospiele-Community – die Ersten, die ankündigten, in einem Tripple-A-Titel, StarCraft 2, die Heilige Kuh LAN-Modus zu opfern. Nun in den dunklen Herbsttagen ziehen Infinity Ward mit Modern Warfare 2 nach und verabschieden sich ebenfalls vom lokalen Netz. Und mit einem Lächeln auf den Lippen versetzt John Carmack für sein kommendes Rage der ganzen Diskussion möglicherweise den Todesstoß (via eXp).

„It’s not cast in stone yet, but at this point no, we don’t think we will have dedicated servers“

Na, wenn id Software, die Ur-Väter der spaßigen LAN-Abende, dies schon überlegen und quasi auch gleich ankündigen, droht den Käufern von Videospielen der Untergang des Abendlandes.

Wirklich?!

Also ich habe überhaupt kein Problem damit, dass der (lokale) Mehrspielermodus offenbar nicht mehr zum Standardrepertoire eines Videospieles gehören wird. Meine LAN-Zeiten sind vorbei. Aus dem Alter bin ich raus. Vorbei, die Zeit, für 2-3 Tage den Computer und Monitor plus die ganze Kabellage und Kleinkrams abzubauen, die Treppen runter, ins Auto, raus aus dem Auto, Kellertreppe runter, aufbauen, später wieder abbauen, Auto, Auto, Treppe hoch usw. Wenn ich mich anschreien/beleidigen und/oder belehren lassen will, gehe ich ins Internet. Da findet sich immer ein Troll in irgendeinem beliebigen Spiel, der besser ist als ich und mich das spüren lässt. Aber möglicherweise habe ich in dieser Zeit sogar noch selbst etwas Spaß miteinander/gegeneinander zu spielen.

Mich wurmt nur ein bisschen die Art und Weise wie die Entwickler mit fadenscheinigen Gründen und Business-Gequassel versuchen, die potenziellen Käufer davon zu überzeugen für dumm zu verkaufen. Viele Käufer haben das unterbewusst sicher auch mitbekommen und wahrscheinlich ist deshalb der Aufschrei so groß. Entwickler/Publisher sollten ruhig so ehrlich sein und sagen, dass sie einfach die komplette Kontrolle über ihre Spiele behalten wollen. Sie wollen damit weiter Geld verdienen, sie wollen DLCs verkaufen, sie wollen die Server stellen, sie wollen wissen wie was wann gespielt wird.

Aber wie gesagt. Ich habe kein Problem mit dem Wegfall eines LAN-Modus. Ich erhoffe mir, dass dadurch vielleicht Entwickler sich wieder mehr auf einen Einzelspielermodus konzentrieren. Dass Freiräume entstehen, um mir größere, atmosphärischere Welten zu zeigen, spannendere Geschichten zu erzählen, die mich tiefer in eine Videowelt eintauchen lassen. Genau hier nutzt dieses junge Medium einfach noch nicht seine Möglichkeiten aus.

Ich wünsche mir die nächste Qualitätsstufe meiner Feierabendunterhaltung. Alleine, nur ich, der Controller in meinen Händen und eine fantastische Welt.

~ von freizeitheld am 6. November 2009.

Eine Antwort to “Eine Chance für den Einzelspieler”

  1. „Aber wie gesagt. Ich habe kein Problem mit dem Wegfall eines LAN-Modus. Ich erhoffe mir, dass dadurch vielleicht Entwickler sich wieder mehr auf einen Einzelspielermodus konzentrieren.“

    Ich glaube das ist Wunschdenken. Denn es ist nur ein weiterer Schritt in Richtung „Onlineisierung“. Mich stört es sehr, daß nach und nach LAN Modi wegfallen. Wir treffen uns nach wie vor zwei mal im Jahr mit unserem „Clan“ 5 Tage zum zocken. Und so was wie „aus dem Alter raus sein“ gibt es nicht. Unsere Horde hat nen Altersdurchschnitt von geschätzten 32 Jahren.
    Ich will mich jedenfalls nicht bevormunden lassen. Weder bei Altereinstufungen (warum werden 18er Titel denn noch geschnitten?), noch bei der Art und Weise wie ich spiele.
    Deswegen wird Modern Warfare 2 auch nicht Teil meiner Spielesammlung. Deswegen wurde es Bioshock nicht.
    Ich kann damit zwar nichts ändern, weil es ja genug Lemminge gibt, die alles mit sich machen lassen, aber ich kann zumindest für mich und mein Gewissen sagen, daß mir meine Prinzipien noch was wert sind.

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